Bernard Groethuysen – ein europäischer Intellektueller

4-6 octobre 2018
Éducation/Sensibilisation
Conférence

Bernhard Groethuysen (1880-1946) war Deutscher und Franzose, Europäer und Weltbürger: bedeutender Philosoph und Soziologe, Literaturkritiker und Übersetzer, vor allem aber ein großer Kommunikator und Vermittler: zwischen Literaturen, Nationen und Wissenschaften – eine interdisziplinäre und internationale Ein-Mann-Institution. Dabei scheute er trotz großer Vorlesungserfolge an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität bis 1933 die Öffentlichkeit. Er verließ das nationalsozialistische Deutschland, weil der so intensive wie stille Politik-Beobachter wusste, was kommen würde.

Groethuysen wurde jetzt mehr denn je zum Franzosen, schließlich auch im staatsrechtlichen Sinn. Zugleich intensivierte er seine Luxemburger Kontakte. Früh schon war Groethuysen zum Colpacher Kreis um Aline Mayrich-de Saint Hubert gestoßen, wo er viele Lebensfreundschaften schloss, nicht zuletzt mit André Gide, der ihn, gleich André Malraux, außerordentlich schätzte. Der engste der Groethuysenschen Freunde war freilich Jean Paulhan, Cheflektor des Pariser Verlags Gallimard und Redakteur der Nouvelle Revue Française. Groethuysen gilt zurecht als Paulhans graue Eminenz, gerade auch zur Zeit der deutschen Okkupation, die Paulhan und er mit viel Geschick überlebten: als ebenso begabte Taktiker wie Strategen. 1946 stirbt Groethuysen in Luxemburg, wo er zusammen mit seinem Lebensmenschen, der kommunistischen Redakteurin Alix Guillain, auch begraben liegt.

Dies allein schon wäre Grund genug, ihn in Luxemburg zu würdigen. Entscheidend freilich ist, dass Groethuysen als heimlicher Klassiker der Kultur- und Sozialwissenschaften, nicht zuletzt der Philosophie zu gelten hat. Gerade das vornehmlich komparatistische Vorgehen der von PD. Dr. Richard Faber (Institut für Soziologie der FU Berlin) und dem CNL gemeinsam organisierten Tagung wird das erweisen. Sie möchte Leben, Werk und Persönlichkeit des Meisterschülers von Wilhelm Dilthey und Georg Simmel prismatisch brechen, um ihn gerade so zu profilieren und jüngeren Generationen ein angemessenes Porträt zu präsentieren: das eines Intellektuellen comme il faut.

Horaire
4-6 octobre 2018
Lieu
Mersch
Producteur/porteur du projet
Centre national de littérature
2, rue Emmanuel Servais
7565 Mersch
Contact
Centre national de littérature
info@cnl.public.lu
+352 326955-1
Bernard Groethuysen et Alix Guillain à Colpach © CNL
Traduction par Aline Mayrisch de textes du mystique allemand du 15e siècle Maître Eckhart. Sermon LXXXIV (Quasi stella matutina in medio nebulae et quasi luna plena in diebus suis lucet [Eccl L, 6]) L-37.I.1-1 ME22 © CNL